Von wegen Mädchenschule ...

Sehr engagiert und mit ausgezeichnetem Erfolg haben Samuel Höller und Lukas Kallinger die HBLW Ried absolviert. Im Juni steht noch die mündliche Matura an. Im Interview erzählen die beiden, warum sie als Burschen an die traditionell als Mädchenschule gehandelte HBLW gegangen sind und was ihnen dort vor allem gefallen hat.

HBLW: Fangen wir vor 5 Jahren an. Warum habt ihr euch für die HBLW Ried entschieden?

Lukas: Bei mir ist das eine einfache Antwort. Ich habe die Schule wegen des guten Rufs des Fremdsprachenzweiges gewählt und ich bin da wirklich nicht enttäuscht worden.

Sam: Bei mir war es eher ein spontaner Entschluss. Ich habe erst kurz davor mein Interesse für das Kochen entdeckt und bin dann, mit dem Wissen, dass auch meine Mutter eine solche Schule besucht hat, vom Gymnasium in Schärding an die HBLW in Ried gewechselt.

HBLW: Wenn ihr die HBLW charakterisieren sollt, was fällt euch dabei ein? Und wie fühlt man sich als Mann an der HBLW?

Sam: Die HBLW ist eine Schule, die sehr viele Interessensschwerpunkte abdeckt. Meine Lieblingsfächer sind Mathematik und Rechnungswesen und ich bin da voll auf meine Kosten gekommen. Als Mann fällt man an der HBLW ein wenig auf und die Lehrer kennen einen sofort mit Namen, aber das kann ja auch von Vorteil sein. Bei Kollektiventscheidungen merkte man manchmal die weibliche Überzahl, aber ich bin immer gut mit meinen Kolleginnen ausgekommen.

Lukas: Mir fällt auch zuerst die Vielseitigkeit der HBLW ein. Ich bin sehr sprachbegeistert und mein Lieblingsfach ist Italienisch, da ist man auf jeden Fall an der richtigen Schule. Neben den Sprachen und den wirtschaftlichen Fächern habe ich den Kochbereich als sehr positiv erlebt. Gerade auch das Praktikum am Ende der dritten Klasse, bei dem Sam und ich in Luzern in einem Spitzenrestaurant gearbeitet haben, hat mir viel an Erfahrung gebracht. Natürlich war ab und an die Dominanz der Mädels spürbar und hätten wir ein wenig männliche Verstärkung gebraucht, aber wir hatten eine gute Klassengemeinschaft und Gott sei Dank mit Prof. Falter einen männlichen Klassenvorstand, der uns immer unterstützt hat.

HBLW: Wie hat die HBLW zu eurer Persönlichkeitsentwicklung beigetragen?

Lukas: Die HBLW bietet eigentlich sehr viele Möglichkeiten, sich zu engagieren. Ich bin zwei Jahre lang Schulsprecher gewesen und hab‘ dabei sehr viel gelernt, was Organisation anbelangt. Besonders gefallen hat mir die Abhaltung eines Schülerparlaments mit über 600 Schüler/innen. Ich war sehr begeistert wie aktiv sich meine Mitschüler/innen einbrachten, und wir konnten auch einige unserer Anliegen umsetzen. Man kann also etwas bewegen in der HBLW, wenn man das will.

Sam: Ich hab‘ mich eigentlich in allen Fächern sehr leicht getan, hab aber in den unterschiedlichen Gegenständen immer wieder interessante Anregungen bekommen. Sehr gut fand ich die Sprachwochen, weil man das Gelernte praktisch umsetzt und anwendet, und auch das Gemeinschaftserlebnis ist beeindruckend. Wirklich positiv waren für mich auch die Erfahrungen im Kochbereich. Es ist für mich als Mann heute ganz selbstverständlich zwei bis drei Mal pro Woche zu kochen, besonders gerne backe ich Kuchen und Torten. Intensiviert hat sich auch mein Interesse an Biologie, und die Mathematik ist – wie schon im Gymnasium – ein wenig mein Steckenpferd geblieben.

HBLW: Lukas, du bist begeisterter Musiker, bist im Musikverein Andrichsfurt aktiv und hast das goldene Leistungsabzeichen auf der Posaune abgelegt. Konntest du dich in der Schule auch musikalisch einbringen?

Lukas: Ja, ich hab‘ mit meinem Bläserquintett mehrmals die Weihnachtsfeier gestaltet oder für die Umrahmung der Maturafeier gesorgt.

HBLW: Wie würdet ihr das Schulklima beschreiben?

Sam: In der Schule herrscht ein freundschaftlicher, lockerer Umgang, wobei aber auf die Leistung Wert gelegt wird. Ich habe das Klima in der Schule, aber auch in unserer Klasse immer als gut und wertschätzend empfunden.

Lukas: Ja, dem kann ich nur zustimmen. Vor allem auch der sehr persönliche Umgang mit den Lehrerinnen und Lehrern scheint mir an der HBLW vorbildhaft.

HBLW: Wie schauen eure Zukunftspläne aus?

Lukas: Ich beginne im Herbst mit meinem Zivildienst beim Roten Kreuz in Ried, wo ich auch jetzt schon mitarbeite. Nach dem Zivildienst habe ich vor, ein Studium, das Wirtschaft mit Sprachenausbildung kombiniert, zu absolvieren. Mir wird die HBLW aber auch insofern nützlich sein, als ich mir gut vorstellen kann, in den Ferien im Gastronomiebereich zu arbeiten.

Sam: Ich werde studieren. Ich habe vor, sowohl mit technischer Mathematik als auch mit Wirtschaftswissenschaften zu starten, und ich werde dann sehen, was mir mehr zusagt.

HBLW: Herzlichen Dank für das Gespräch.

 

Der Klassenvorstand der beiden, Dr. Manfred Falter, hat sich sehr darüber gefreut, dass Lukas und Samuel in seiner Klasse waren. „Solche Jungs kann man sich nur wünschen. Sie waren immer total zuverlässig, sehr interessiert und engagiert nicht nur, was ihre Mitarbeit anbelangt. Ich war immer froh um die männliche Unterstützung und mir werden die beiden sehr gescheiten Schüler fehlen, das weiß ich jetzt schon“, so der Klassenvorstand.

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