Sein Herz schlägt für die Bibliothek ...

Letzte Woche wurde im Rahmen der Erneuerung des Bundesschulzentrums Ried das neue LIZ (=Lern- und Informationszentrum) in Betrieb genommen. Das LIZ ist eine gemeinsame Bibliothek und Mediathek der drei im Bundesschulzentrum angesiedelten Schulen, der BAKIP, der HAK und der HBLW.

Maßgeblich beteiligt an der Planung und der Realisierung der neuen Lerneinrichtung sowie an der Umsiedlung der Bücher und der Installation der entsprechenden Bibliothekssoftware war OSTR Mag. Josef Pumberger, der getrost als „Vater“ des neuen LIZ bezeichnet werden kann.

Prof. Pumberger unterrichtete 35 Jahre Deutsch und Englisch an der HBLW und betreute 32 Jahre lang die HBLW-Schulbibliothek. Eigentlich ist Prof. Pumberger seit einem Jahr im wohlverdienten Ruhestand, doch sein Herz schlägt nach wie vor für seine Bibliothek. Die HBLW führte anlässlich der LIZ-Inbetriebnahme das folgende Interview:

 

HBLW: Lieber Josef, warum sind dir Bücher, warum ist dir Lesen ein Anliegen?

Josef „Joe“ Pumberger: Für mich ist Lesen eine Auseinandersetzung mit einer geistigen Welt, die meinen eigenen Horizont erweitert. Zum einen entsteht beim Lesen fast immer ein spannendes Zwiegespräch mit dem Autor, zum anderen bin ich als Sprachliebhaber einfach fasziniert von stilistisch ausgefeilten Formulierungen.

HBLW: Warum hast du vor 32 Jahren die HBLW-Bibliothek übernommen, und was war in der ersten Phase wichtig?

Pumberger: Der damalige Direktor suchte jemanden, der die Arbeit des Aufbaus auf sich nimmt, weil wir wirklich bei Null angefangen haben. Als Deutschlehrer wollte ich natürlich die Standardwerke der deutschen Literatur greifbar haben und ich wollte interessierten Schülern/innen entsprechendes „Lesefutter“ bieten. Später haben wir dann zunehmend auch mehr Sachbücher angekauft, um die Kollegen/innen in ihrer Unterrichtsarbeit zu unterstützen. Ein besonderes Anliegen war mir dabei immer der Bereich der politischen Bildung. Heute besteht etwa die Hälfte des Medienbestandes, wie es sich für eine Arbeitsbibliothek gehört, aus Fachliteratur.

HBLW: Du hast eine Schülerbibliotheksgruppe eingeführt, was war deine Intention dahinter?

Pumberger: Ich hatte immer schon Schüler, die freiwillig in der Bibliothek mitarbeiten wollten. Als es ab 2000 keine Werteinheiten für die Bibliothek mehr gab, kreierte ich den Freigegenstand „Bibliothekswesen und neue Medien“. Mit Hilfe von Schülern/innen, die sich nach einer Einführung als selbstständige Bibliotheksarbeiter/innen zur Verfügung stellten, konnten wir die Bücherei 15 – 20 Stunden wöchentlich offenhalten.

HBLW: Du hast dich sogar als Tischler betätigt und eigenhändig mit Schülern/innen im Freigegenstand einen Bibliotheksanbau gezimmert?Pumberger: Ja, da die Bibliothek aus allen Nähten geplatzt ist, hab‘ ich mit einer Klasse eigenhändig den Ausbau in Angriff genommen. Ein ganzes Jahr lang haben wir jeden zweiten Mittwochnachmittag getischlert und so haben die Schülerinnen an der „Mädchenschule“ auch den Umgang mit Werkzeug und Bohrmaschine gelernt. Die Begeisterung bei den jungen Damen war groß und das Ergebnis konnte sich sehen lassen: ein 70 m2 großer Raum für Bücher, der von Schülern und Lehrern gern genutzt wurde.

HBLW: Du warst einer der Pioniere bei der Verwendung des Computers in der Bibliothek und beim Einsatz von Bibliothekssoftware. Darüber hinaus hast du auch sehr früh die Mediendaten ins Internet gestellt und so die Recherche in der Bibliothek auch von außerhalb ermöglicht.

Pumberger: Seit 1994 lief bei uns der Verleihbetrieb und die Katalogisierung über ein Computerprogramm, ab 2000 waren unsere Medien von überall auf der Welt abrufbar. Mit dem Webopac kann man seit 2006 nicht nur online recherchieren, sondern auch Bücher reservieren und Medienlisten erstellen. In Zeiten, in denen eine vorwissenschaftliche Arbeit zum Standard bei der neuen Zentralmatura gehören soll, können Schüler/innen hier wirklich wissenschaftliches Arbeiten trainieren.

HBLW: Jahrelang hast du für ein LIZ gekämpft, hast unzählige Briefe formuliert und warst letztlich bei der tatsächlichen Planung federführend beteiligt. Warum ist dir ein LIZ so wichtig?

Pumberger: Ich glaube, dass trotz oder gerade wegen Internet und Co. Bibliotheken ungeheuer bedeutend sind. In Büchern ist Wissen professionell aufbereitet und Schüler/innen erhalten Grundinformationen, um dem riesigen Datenwust im Internet begegnen zu können. Auch die vielgeforderte Lesekompetenz kann man meiner Meinung nach nicht am Bildschirm erwerben. Umgekehrt gilt aber auch, dass eine moderne Bibliothek ohne Computerarbeitsplätze und Internet undenkbar ist. Im LIZ Ried wird es sechzehn davon geben. Kurz gesagt, das LIZ sollte das pädagogische Zentrum einer ganzen Schule sein.

HBLW: Du warst nicht nur als Schulbibliothekar tätig. Stimmt es, dass du dich auch gesamtösterreichisch in einer ministeriellen Arbeitsgruppe und bei der Ausbildung der BMHS-Bibliothekare engagiert hast?

Pumberger: Ja. Das Bibliothekswesen an den BMHS war lange Zeit ein Stiefkind in der Schullandschaft, mittlerweile haben wir funktionierende Strukturen in den BMHS-Bibliotheken erkämpft und umgesetzt. Das war mir immer ein großes Anliegen und da habe ich mitgearbeitet. Im Bereich der Bibliothekars-Ausbildung bin ich vor allem in der Einschulung auf die Bibliothekssoftware tätig und gebe bibliothekspädagogische Tipps aus meiner langjährigen Erfahrung weiter.

HBLW: Schülerbibliothekare/innen aus ganz Österreich wenden sich mit Problemen an dich und der Chef der Firma, die die Bibliothekssoftware Littera erstellt, kennt dich als kritischen Anwender, der deine Anregungen bei der Programmverbesserung aufgreift.

Pumberger: Natürlich gebe ich meine Erfahrungen gerne weiter. Gelegentlich ist es schon vorgekommen, dass ich in den Ferien Bibliothekare aus anderen Bundesländern besucht habe, um ihnen mit Tipps zur Seite zu stehen. Meine Littera-Kenntnisse gebe ich in Seminaren der Pädagogischen Hochschule OÖ weiter, wo ich als Referent zur Verfügung stehe.

HBLW: Woran erinnerst du dich besonders gern, wenn du auf die 32 Jahre Bibliotheksarbeit zurückblickst?

Pumberger: Am liebsten war es mir, wenn ich interessierten Schülern/innen ihren Wunschlesestoff besorgen konnte. Die Begeisterung, die manche Schüler/innen – auch heute noch – für das Lesen aufbringen, hat mich immer wieder beeindruckt. Und die Zusammenarbeit mit meinen Bibliotheksassistenten/innen war eine schöne Erfahrung. Ich möchte die Gelegenheit auch nützen und mich bei allen meinen Assistenten und Assistentinnen, die im Laufe der Zeit in der Bibliothek mitgearbeitet haben, ganz herzlich bedanken. Das war eine tolle Unterstützung!

HBLW: Für deine Bibliothek beginnt mit der Umsiedlung in das gemeinsame LIZ ein neuer Abschnitt. Was wünschst du dem LIZ für die Zukunft?

Pumberger: Ich hatte zuletzt ca. 7500 Medien in der Bibliothek. Im neuen LIZ ist auf ca. 700 Laufmetern Regalen Platz für 20.000 Medien. Es wird also eine große Herausforderung, die rund 35.000 Euro, die dem LIZ in den ersten beiden Jahren zur Verfügung gestellt werden, in altersadäquate Medien zu investieren. Ich weiß aber mein „Kind“, das LIZ, auf dessen Geburt ich 15 Jahre lang hingearbeitet habe, in guten Händen. Meine Nachfolgerin MMag. Doris Stroissmüller hat in den letzten Jahren bereits bibliothekarisches Blut geleckt; sie arbeitet sehr gewissenhaft und engagiert und kann die Schüler/innen mit ihrer ansteckenden fröhlichen Art begeistern. Sie und ihre Kollegen/innen aus den anderen Schulen im BSZ Ried bilden ein kompetentes Team und ich bin sehr optimistisch, was die Zukunft des LIZ betrifft. Natürlich wünsche ich dem LIZ viele Leser/innen und ich hoffe, dass sich auch ein ausgedienter Bibliothekar noch manchmal ein Buch ausborgen darf.

HBLW: Herzlichen Dank für das Gespräch und alles Gute.

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Kommentare: 1
  • #1

    Gottfried Gansinger (Sonntag, 22 Dezember 2013 19:00)

    Die Tatsache, dass ein Lern- und
    HBLW Josef Pumberger - Tips Ried, 51. Woche
    Informationszentrum mit einer Bibliothek im Schulzentrum aufgebaut wurde und mit solcher Begeisterung und Sachkenntnis für die Literatur geführt wird, ist grenzenlos zu bewundern, zu bedanken und weckt Hoffnung für die Zukunft.

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