Ihre Liebe gilt Frankreich


OStR Mag. Annemarie Chabrol unterrichtet seit 1977 an der HBLW Ried Französisch und Sport. Wenn am Gang ein freundliches, lautes „Bonjour les filles!“ ertönt, wissen die SchülerInnen, dass Frau Professor Chabrol im Anmarsch ist. Ihre „Begeisterungsfähigkeit und ihr großes Engagement“ erleben die SchülerInnen als ebenso bemerkenswert wie ihre „beeindruckend positive Einstellung zum Leben“. Die HBLW führte ein Interview mit einem „HBLW-Urgestein“:

HBLW: SchülerInnen fällt deine „Leidenschaft für das Fach Französisch“ auf, sie erleben „deine Begeisterung für das Land Frankreich“ als ansteckend. Wie kam es zu dieser „Liebe“?


Annemarie Chabrol: Schon in meiner Kindheit konnten mich

französische Schlager in Bann ziehen und ich wollte unbedingt Französisch lernen. Nachdem ich dieses Vorhaben in der HAK in Wels in die Tat umgesetzt hatte, verbrachte ich ein Jahr als Aupair in Frankreich, dort wurde meine Begeisterung für dieses Land geweckt. Es war mit vier Kindern turbulent und anstrengend, aber meine Gasteltern – aus dem französischen Hochadel, wie sich später herausstellte – waren herzlich, zuvorkommend und sehr um mich bemüht. Ich lernte das Meer kennen und verbrachte immer wieder Urlaube in diversen Schlössern. Als ich – mein Vater war Schneider – mit einem österreichischen Lodenmantel und einem Steirerhut auftauchte, war die Begeisterung meines Gastvaters grenzenlos.


HBLW: Du hast dann beschlossen, deine Liebe zu Frankreich zu deinem Beruf zu machen.


Annemarie Chabrol: Ja, ich wollte ursprünglich Stewardess werden, hab‘ dann aber entschieden Französisch und Sport zu studieren.


HBLW: Dich verbinden ja auch private Bande mit Frankreich.


Annemarie Chabrol: Ja, ich habe meinen Mann, einen Franzosen, in Salzburg kennengelernt und verbrachte dann zwei wunderschöne Jahre mit Paul in La Ciotat, wo ich an einer Schule bzw. Sprachschule unterrichtete. Paul ist 1984 nach Österreich mitgekommen und wir haben dann beschlossen, hier unseren Lebensmittelpunkt zu wählen. 1987 ist dann unsere Tochter Julie auf die Welt gekommen, die übrigens die Begeisterung für Frankreich teilt und mittlerweile auch als Französischlehrerin tätig ist.


HBLW: Dein Kontakt zu Frankreich ist nie abgerissen.


Annemarie Chabrol: Nein, wir haben 1981 in La Ciotat unser erstes gemeinsames Segelboot gekauft und verbrachten bis 1995 jeden

Sommer im Boot auf der Inselwelt vor der Cote d’Azur. Dann haben wir unser beider „Herzensland“, die Bretagne, erkundet, aber auch Städte auf dem französischen Festland bereist. In den letzten Jahren erleben wir aber auch Frankreich auf den Spuren von Künstlern, Schriftstellern und Malern. Was mich an Frankreich so fasziniert, sind aber vor allem die Menschen, ihr Humor, ihr Offenheit und Kommunikationsfreudigkeit,

aber auch eine gewisse Leichtigkeit und Unbeschwertheit, besonders im Süden – das „Savoir-vivre“ eben.


HBLW: Du hast in deiner Funktion als Französischlehrerin in der HBLW Ried auch mehr als 20 Sprachreisen an die Côte d’Azur organisiert. Warum sind deiner Meinung nach Sprachreisen so wichtig?


Annemarie Chabrol: Man kann eine Sprache so richtig nur im Land kennenlernen. Die SchülerInnen lernen auf den Sprachreisen nicht nur

Französisch in der Sprachschule, sondern sie erfahren das Land mit allen

Sinnen. Sie riechen Lavendel, sie schmecken Oliven, sie lernen Französinnen und Franzosen persönlich kennen.


HBLW: Kannst du dich an ein besonderes Ereignis während einer Sprachreise erinnern?


Annemarie Chabrol: Ja. Immer wenn wir zur Zeit der Filmfestspiele in Cannes waren, sind wir mit Dirndl und Lederhose aufgetreten und haben österreichische Volkslieder gesungen und getanzt. Die Begeisterung des Publikums war riesig. Eines Tages blieb ein Polizist mit seinem Motorrad stehen und wir hatten schon Angst, dass wir des Platzes verwiesen würden. Er meinte aber nur: ‚Ich bin Monsieur Coucou (sprich kuku) und ich würde gerne Ihr Lied mit ‚ho-la-re-di-ri-a, ho-la-re ku-ku‘ hören‘! Einmal haben wir uns auch eine Karussellfahrt für den gesamten „Chor“ ersungen.


HBLW: Annemarie, Schülerinnen nehmen deine „Freude am Unterrichten“ wahr, was ist dir als Lehrerin wichtig?


Annemarie Chabrol: Ich glaube, Begeisterung ist so wesentlich, um Lernen möglich zu machen. Man muss die SchülerInnen motivieren, sie müssen einen Sinn darinnen sehen, sich mit Dingen auseinanderzusetzen. Französisch ist für mich nicht nur ein Unterrichtsgegenstand, sondern „jedes Wort ist ein Fenster, jeder Satz ist eine Tür“ zur Welt (Zitat von Liedermacher Karl D.). Das muss man SchülerInnen vermitteln.


HBLW: Was gefällt dir an der HBLW Ried?


Annemarie Chabrol: Mir gefällt in jeder Hinsicht die Vielfalt. Die Mädels bringen vielseitige Begabungen mit und die werden bei uns gefördert. Durch die Verbindung von Theorie und Praxis ist die HBLW einfach eine „für das Leben bildende Schule“. Mich faszinieren natürlich die Mädchen,

die unseren Sprachenzweig besuchen und die eine besondere Liebe und Begabung für Sprachen mitbringen. Insgesamt ist die Schule meine zweite Heimat geworden. Unsere SchülerInnen sind etwas Besonderes und im Kreis der KollegInnen fühl ich mich daheim.


HBLW: Du hast vor in eineinhalb Jahren in

Pension zu gehen. Gibt es Pläne?


Annemarie Chabrol: Nein, ich bin ein Mensch der gern im Augenblick lebt und momentan bin ich durch die Schule noch voll in Anspruch genommen. Längere Frankreichaufenthalte sind aber mit Sicherheit eine Option.


HBLW: Danke für das Gespräch!

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