Sprachen sind ihre Welt

Die HBLW-Ried-Absolventin Yvonne Kaisinger lebt für interkulturellen Dialog und Multilingualität und kann Fremde/s nicht als Bedrohung wahrnehmen.
Sehr stolz ist die HBLW Ried auf ihre Absolventin, die nach der Matura am Sprachenzweig der Schule nun ihre Dissertation im Fach Amerikanistik und Anglistik in Salzburg abgeschlossen hat und zur Zeit am Institut lehrt. Zudem betreut sie am Afro-Asiatischen Institut in Salzburg das „Eine Welt Stipendium“ für Studierende aus Asien, Afrika und Lateinamerika.
Die HBLW führte anlässlich der Beendigung ihrer Dissertation ein Interview mit ihrer erfolgreichen Absolventin.

 

HBLW: Wann hattest du deine ersten Begegnungen mit fremden Sprachen und wann hast du fremde Kulturen erstmals als interessant erlebt?

Kaisinger:  Ich bin in Zipf aufgewachsen und entwickelte durch meine Lust am Lesen schon sehr früh Freude an fremden Sprachen und Kulturen.  In der Volksschule Neukirchen/Vöckla wurde dieses Interesse durch eine sprachbegeisterte Lehrerin gefördert und verstärkt. So habe ich schon in der Volksschule Englisch und freiwillig Französisch gelernt und war völlig begeistert vom Kontakt zu neuseeländischen Gästen. Seither wollte ich unbedingt nach Neuseeland reisen – ein Wunsch, der sich 16 Jahre später erfüllt hat.
In der Hauptschule wurden wir mit Internationalität vor allem durch ein Comeniusprojekt mit Schulen aus Kempten und Palermo konfrontiert. Meine erste Flugreise und meinen Palermo-Aufenthalt in einer italienischen Familie werde ich nie vergessen. Mit Rita, der Tochter des Hauses, und Anna, ihrer Freundin bin ich nach wie vor in Kontakt.

HBLW: Du hast die HBLW Ried als weiterführende Ausbildung gewählt. Wurden deine hohen Erwartungen an den Sprachenzweig der Schule erfüllt?

Kaisinger: Die HBLW Ried hat mit ihren fünf Fremdsprachen – Englisch, Französisch, Italienisch bzw. auf freiwilliger Basis Spanisch und Russisch – meine Sprachenbegeisterung in vielerlei Hinsicht gefördert und intensiviert. Ich hatte SprachenlehrerInnen, die selber einen besonders emotionalen Zugang zu fremden Sprachen und Kulturen hatten und die das auch begeistert weitergeben konnten.
Eine besondere Chance bot für mich die Möglichkeit, das dreimonatige Pflichtpraktikum zwischen dritter und vierter Klasse im Ausland zu absolvieren. Ich trat eine Stelle in einem Vier-Sterne-Hotel in Bournemouth in England an und arbeitete dort erstmals mit KollegInnen aus aller Welt zusammen. Wir sind zu einer großen internationalen Familie geworden und ich hab‘ zu vielen Freunden aus dieser Zeit nach wie vor Kontakt. Ein besonders schönes Ereignis war, als ich Trauzeugin eines finnischen Freundes aus dieser Zeit sein durfte.

HBLW: Wie waren deine Pläne nach der Matura? Wie kam es zur Entscheidung, Anglistik zu studieren?

Kaisinger: Ich wollte mir nach der Matura ein Jahr Auszeit nehmen und ein Regenwald-Projekt der Österreicher in Costa Rica unterstützen. Wir absolvierten zu zweit zunächst einen Sprachkurs in Boquete in Panama und lebten in einer Gastfamilie, um Kultur und Sprache intensiver kennenzulernen. Die Familie wird mir immer in Erinnerung bleiben, da wir sofort über alle Maßen großzügig im Kreis der ärmlichen Familie aufgenommen wurden. Nach Weihnachten und Silvester mit Freunden in Panama City arbeiteten wir zwei Monate als Voluntärinnen in der Esquinas Rainforest Lodge und erkundeten den Regenwald.
Angeregt vom Regenwaldprojekt begann ich im Herbst 2007 in Salzburg Ökologie zu studieren. Schon bald wurde mir aber klar, dass ich mein Leben lang Sprachen gelernt hatte und diesen Aspekt einfach nicht missen wollte. Ich inskribierte also Englisch und schloss den ersten Studienabschnitt in Rekordzeit ab. Schon bald arbeitete ich als Tutorin und anschließend als Studienassistentin im Fachbereich Amerikanistik. Schließlich beendet ich mein Diplomstudium, nahm eine Stelle als Universitätsassistentin der Amerikanistik an und verfasste eine Dissertation zum Thema „An Ocean of Words: Literature and the Environment on Caribbean and Pacific Islands“. Ich nahm an zahlreichen Konferenzen teil, war in der Organisation von Workshops tätig und begann Literaturkurse zu unterrichten.

HBLW: Du kannst auf eine Reihe von Auslandsaufenthalten zurückblicken, welche haben dich besonders geprägt?

Kaisinger: Nach einem Sommer auf einer Gemüsefarm in Irland hat mich das Studienjahr an der University of Maine in Orono/USA besonders fasziniert. Studierende aus unterschiedlichen Ländern begleiteten mich auf diesem großen Campus einer kleinen amerikanischen Stadt, der von Natur umgeben ist. Ich lernte neben typisch amerikanischen Festen, wie Thanksgiving, und den berühmten Städten New York City und Boston auch menschenleere Wälder und Seen im Norden von Maine kennen.
Im Zusammenhang mit meiner Dissertation unternahm ich eine Reihe von Forschungsreisen auf karibische und pazifische Inseln. Besonders in Puerto Rico und auf Hawaii sah ich vor Ort, wie sehr diese Inseln von der kolonialen Geschichte und der neoliberalen Gegenwart geprägt sind und wie stark bedroht dort die Ökosysteme sind.
Besonders beeindruckend war für mich 2015 mein langjähriges Wunschziel – Neuseeland. Durch meinen Zugang zu „locals“ über persönliche Kontakte wurde mein Aufenthalt unvergesslich. Die Erkundung beeindruckender Landschaften faszinierte mich ebenso wie die Kultur der Maori oder der wissenschaftliche Austausch mit KollegInnen neuseeländischer Universitäten.

HBLW: Wie ist deine berufliche Situation heute?

Kaisinger: Ich habe 2016 mein Doktoratsstudium abgeschlossen und unterrichte an der Universität Salzburg amerikanische und britische Literaturgeschichte und Literaturwissenschaft. Zudem bin ich seit November 2016 beim Afro-Asiatischen Institut in Salzburg tätig und betreue dort Studierende aus Afrika, Asien und Lateinamerika. Unvoreingenommenheit, interkultureller Dialog und natürlich meine umfassenden Sprachenkenntnisse sind dabei besonders wichtig. Man muss Fremde/s als Chance und als Bereicherung sehen. Selber lerne ich, zur Zeit nach Portugiesisch, Schwedisch/Finnisch/Maori und Arabisch als meine neunte Sprache gerade Persisch.

HBLW: Warum empfiehlst du sprachbegabten AbsolventInnen der NMS den Sprachenzweig der HBLW Ried?

Kaisinger: Ich glaube, dass Multilingualität in einer globalen Welt immer wichtiger wird. An der HBLW wird Sprache als komplexes System vermittelt, das kulturelle Besonderheiten berücksichtigt und von emotional engagierten LehrerInnen unterrichtet wird. Durch die Möglichkeit von Sprachreisen und Auslandspraktikas erfahren SchülerInnen ein Bewusstsein für verschiedene Kulturen, aber auch für Europa als Gemeinschaft. Diese Erfahrungen werden AbsolventInnen der HBLW ungemein persönlich bereichern, sie aber auch im Wettbewerb um einen anspruchsvollen Job konkurrenzfähig machen.

HBLW: Danke für deine interessanten Ausführungen und alles Gute für die Zukunft.

 

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